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Hye-Jin, Kim: Die Tochter – Rezension

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„Die Tochter“ von Kim Hye-Jin erschienen im Hanser Verlag, war Lektüre meiner ersten Buchclubteilnahme bei Instagram. Auf einer möglichen Lektüreliste stand es schon vorab, aber mit dem Buchclub hatte ich noch die schöne Chance mich mit Anderen auszutauschen. Erzählt wird in diesem Buch die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, welche auch ein Generationenverständnis aufeinander treffen lässt. Erzählerin ist die Mutter, über 60 Jahre alt und als Pflegekraft arbeitend. Ihre Tochter hat studiert, ist aber nur prekär beschäftigt, was die Beziehung durchaus belastet. Entscheidender Ballast ist jedoch, dass die Tochter in einer lesbischen Beziehung lebt. Ihre Mutter lehnt diese Lebensweise ab und dies schlägt sich auch in hasserfüllten Tiraden nieder. Die Enttäuschung über die Lebensentwicklung der Tochter, fernab der mütterlichen Erwartungshaltung, ist der dominierende Aspekt des Buches.

Die Bedienung serviert zwei Schüsseln mit heißen Udon-Nudeln.

Hye-Jin, Kim: Die Tochter, 2022, Hanser Berlin Verlag, S.7.

Die Mutter-Tochter-Beziehung wird in diesem Buch wieder auf ihre Belastbarkeit geprüft, da die Tochter aufgrund eines finanziellen Engpasses wieder bei ihrer Mutter einziehen soll. Somit wird der Konflikt auch wieder räumlich zusammengeführt. Die Tochter bringt ihre Lebensgefährtin mit in diese neue Wohnsituation. Die Mutter kann mit dieser Situation nur schwer umgehen. Dies wird einem nah präsentiert, da die Mutter die Erzählerinnenrolle inne hat. Schnell werden ihre Ansichten deutlich und sorgen dafür, dass man sie nur schwerlich sympathisch finden kann. Die Drastik der Homophobie in diesem Buch ist wirklich nur schwer zu ertragen und zeigt prägnant auf, dass sich in der Entwicklung der Gesellschaft auch immer wieder Generationenkonflikte herausprägen. Über den Roman hinweg verspürt man, dass diese Drastik sich auch aus einem Gefühl speist, als Mutter nicht das Richtige transportiert zu haben. Im Gegensatz steht dazu die berufliche Rolle als Pflegerin in einem Seniorenhaus, wo die Mutter durchaus Hilfsbereitschaft zeigt, während sie ihrer eigenen Tochter das Lebensmodell abspricht. Während sie sich für ein würdevolles Lebensmodell im Alter kümmert und wohl auch ihr eigenes weiteres Leben im Blick hat, verweigert sie der jungen Generation ihre eigenen Wünsche. Durch die Erzählperspektive und die Prägnanz in den Schilderungen konkretisiert sich die Problematik und dies hat mir gut gefallen. In der zweiten Hälfte des Buches entwickelt die Handlung weitere spannende Momente und bietet der Mutter durchaus Chancen ihr Verhalten anzupassen. Was mich dabei vor allem beeindruckt hat, ist dass ich diese Problematik nicht nur in dieser asiatischen Perspektive verordnen kann, sondern mir dies durchaus auch bei anderen kulturellen Hintergründen gut vorstellen kann. Das Buch lebt nicht von einer großen Anzahl an Emotionen. Allerdings ist es die Nüchternheit, welche eben die Kernproblematik gut ausstellt. Zudem ist durchaus als gelungen zu werten, dass nicht die Perspektive der Tochter für die Erzählung gewählt wurde, sondern bewusst die unbequemere Seite.

Ich hab diesen Text wirklich gerne gelesen. Auch wenn die nüchterne Stilistik und die nicht besonders freundliche Erzählperspektive zu Beginn gewöhnungsbedürftig waren, hat sich dies als eine Stärke des Romans erwiesen und den Text gut getragen. Der Wunsch, dass sich die familiäre Beziehung normalisieren wird, bleibt über die gesamte Lektüre und daraus zieht der Text auch Spannung. Es ist wieder ein Roman aus Südkorea, der wichtige gesellschaftliche Themen und Spannungen aufgreift, dieses Mal aber mit einem Thema, dass auch bei uns noch nicht abgearbeitet ist. Ich kann dieses Buch wärmstens weiterempfehlen, da es gut konstruiert ist und sprachlich den richtigen Ton für das Geschilderte findet.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Kim Hye-Jin:

Die Tochter

ISBN: 978-3446272323

Preis: 20,00€

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-tochter/978-3-446-27232-3/

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