Barbash, Tom: Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens

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Nach meinem Krimimonat geht es im April nun weiter mit einem Blick auf Romane der Gegenwartsliteratur, die ich aus meinem Bücherregal gegriffen habe. Dieser Monat hat somit keinen besonderen Schwerpunkt. Ich blicke auf die ein oder andere Neuerscheinung und setze natürlich auch das Lesen der im März begonnen Krimireihen fort. Heute soll es aber tatsächlich um einen Roman gehen, der uns mit auf eine Zeitreise nach New York nimmt. Tom Barbash erzählt in „Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ eine Vater-Sohn Geschichte aus dem Showbusiness. Das nachfolgende Zitat zeigt jedoch, dass die Beziehung der Beiden von einer vorangegangenen Distanzierung geprägt ist.

„>> Lass Dich nicht wieder reinziehen.<<

>> Wie meinst Du das?<<

>> Du weißt genau,  was ich meine. Soll ich Dir nochmal die Gründe aufzählen, weshalb du damals so  dringend wegmusstest?<<“

Barbash, Tom: Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr  unseres Lebens, 2022, Verlag Kiepenheuer und Witsch, S.80.

Neben den beiden Figuren ist ein weiterer Hauptdarsteller das Dakota Building in New York und damit wird auch der Bezug zu einem seiner berühmtesten Bewohner nämlich John Lennon hergestellt. In New York Ende der Siebziger Jahre erlebt Talkshowmaster Buddy Winter vor laufenden Kameras einen Nervenzusammenbruch, der zugleich seine Fernsehkarriere vorerst beendet. Erzählt wird diese Geschichte vom Sohn von Buddy. Anton hat seinen Vater jahrelang im Showgeschäft unterstützt, Witze geschrieben und bei der Gästebetreuung geholfen. Doch irgendwann wünschte sich Anton mehr Freiraum und ging nach Afrika um ein Hilfsprojekt zu betreuen. Dort erkrankte Anton schwer, kehrte zurück in die USA und versucht nun wie sein Vater das eigene Leben neu zu ordnen. Zwei Männer einer Familie versuchen nun also einen gemeinsamen Weg in eine bessere Zukunft zu finden. Barbash zeigt uns mit welchen intensiven Bemühungen Buddy versucht, zurück auf die Bühne zu kommen. Gleichzeitig wird deutlich, dass dieser dafür erneut die Unterstützung seines Sohnes braucht. Anton will jedoch keinesfalls wieder nur in die alte Rolle zurück, er möchte sich auch eigenständig etablieren. Über einen längeren Zeitraum nähern sich die beiden Männer wieder an. Dabei zeigen sich die harten Seiten des Showgeschäfts und das eine Rückkehr nicht ganz einfach wird. Nur langsam kommen wieder Angebote und diese entsprechen nicht immer den eigenen Vorstellungen. In dieser herausfordernden Situation kommt den beiden Männern die Idee einen berühmten Nachbar in ihre Planungen einzubauen. John Lennon wohnt mit Yoko Ono im selben Gebäude und man ist sich in guter Nachbarschaft bekannt. Anton entwickelt die Idee, seinen Vater mit John Lennon als Talkshowgast zurück auf die Bühne zu führen. Doch natürlich nähert man sich diesem Ziel nicht mit einer direkten Frage. Anton trifft immer wieder auf John Lennon und begibt sich mit ihm sogar auf einen Segeltörn. Die Schilderungen der gemeinsamen Begegnungen lassen Lennon als Figur immer distanziert wirken, nie wird der Beatles Star für uns als Leserschaft greifbar. John Lennon ist in diesem Roman eine begleitende Nebenfigur, die ähnlich wie der im Roman geschilderte Präsidentschaftswahlkampf, zu einer belebten Schilderung der 70er Jahre beitragen. Antons Idee, dass die Beatles vielleicht sogar in der Talkshow seines Vaters eine Reunion feiern könnten, sind mit unserem Wissen nicht realistisch. Natürlich geht der Roman auch auf den Tod von John Lennon ein, doch das Ende der Nebenfigur hat auf die sich angenäherten Männer keine drastische Auswirkung.

Vielmehr erzählt der Roman von einem Sommer, der für die Familie Herausforderungen bietet, aber auch darauf hinsteuert, dass diese bewältigt werden können. Anton wird von Barbash über den Roman hinweg als Charakter entblättert, der sich auf Suche nach seiner Position befindet und hier auch eine Abgrenzung innerhalb der Familie erreichen muss. Diese zaghafte Figurenentwicklung ist eine Stärke dieses Romans. Der Vater wird nur aus der Perspektive des Sohnes und einigen Kommentaren weiterer Figuren greifbar, doch schnell spürt man, dass er sich die Hilfe des Sohnes wünscht. Diese Beziehungsebene wird zudem noch mit dem Vaterdasein für den kleinen Bruder gekoppelt. Anton sieht in der von seinem Vater mit dem Bruder verbrachten Zeit klare Unterschiede zu seinem eigenen Heranwachsen, in dem er nicht in freier Entfaltung agieren konnte. Anton erkennt, dass er hier mit einem anderen Fokus eine Zusammenarbeit mit dem eigenen Vater fortsetzen kann. Tom Barbash hat einen flüssig zu lesenden Stil und die Erzählstimme hat für mich einen passenden Tonfall. Die Dialoge und feinen Beschreibungen von Szenen zeugen ebenfalls von einem tollen Handwerk.

Fazit

Tom Barbash hat einen Roman geschrieben, der durchaus zu unterhalten weiß, indem er uns einen Blick in die siebziger Jahre gewährt. Die Grundidee, ein Gebäude zu einem Handlungsträger durch den Blick auf die Bewohner:Innen zu machen, ist spannend. Die Familiengeschichte eingebettet in die Welt des Showbusiness ist ebenfalls interessant und auch die Vater-Sohn Beziehung habe ich interessiert gelesen. Insgesamt fehlt es dem Roman aus meiner Sicht jedoch an überraschenden Momenten, sodass er nur über die Ebene eines Einblicks in eine Showwelt der Vergangenheit funktioniert. Mich konnte der Roman damit nicht restlos überzeugen.

Autor:Inneninformation

Tom Barbash ist in Manhattan aufgewachsen, lebt aber mittlerweile als Schriftsteller in Kalifornien.  Er schreibt Romane und Kurzgeschichten und ist Autor eines Sachbuch-Bestsellers über 9/11.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧

Titel: Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens

ISBN: 978-3-462-00269-0

https://www.kiwi-verlag.de/buch/tom-barbash-mein-vater-john-lennon-und-das-beste-jahr-unseres-lebens-9783462002690

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