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Schutzbach, Franziska: Die Erschöpfung der Frauen – Rezension

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Heute geht es auf der Website weiter mit Literaturm. In den vergangenen Tagen hatte mal wieder das Studium und die daran anschließende Entspannungszeit Vorrang. Heute setze ich meine Literaturm Berichterstattung mit einem Buch fort, welches Bezug zu Mareike Fallwickl und ihrem Roman „Die Wut, die bleibt“ hat. Fallwickl hat selbst ausgesagt, dass viele der in ihrem Roman angesprochenen Aspekte in dem hier zu besprechenden Buch „Die Erschöpfung der Frauen“ von Franziska Schutzbach aus dem Droemer Verlag behandelt werden.

Um was geht es ?

Die Grundlage des Buches von Franziska Schutzbach ist die Erschöpfung der Frauen. Diese resultiert aus der Erwartung ihrer permanenten Verfügbarkeit. Schutzbach schildert die Gesamtheit der Frauendiskriminierung und subsummiert dies unter dem, für sie entscheidenden, Begriff der Ausbeutung. Es geht um körperliche, emotionale und zeitliche Ausbeutung, die in unserer Gesellschaft kulturell vornehmlich Frauen zugeschrieben wird. Für unser ökonomisches System ist die von Frauen geleistete Arbeit, sowohl bezahlt, aber vor allem unbezahlt, ein wichtiger Baustein und das Buch zeigt auf, dass die Nichtberücksichtigung für das Bruttoinlandsprodukt den Erschöpfungsprozess verstetigt und verstärkt.

Ich erinnere mich, wie ich vor vielen Jahren, ich glaube, es war 2008, einmal die Frauen in meiner Familie und in meinem Freundeskreis fragte: „Kennt ihr dieses Gefühl, es allen recht machen zu wollen? Woher kommt das?“

Schutzbach, Franziska: Die Erschöpfung der Frauen, 2021, Droemer Verlag, S.13.

Mit diesen ersten Sätzen wird das Thema des Buches sogleich vorgestellt, es geht um Erschöpfung. Es geht um eine Erschöpfung, wie sie Frauen verspüren, weil von ihnen eine tägliche Verfügbarkeit erwartet. Genauer meint Schutzbach den normativen Erwartungshorizont, welcher sich in unserer Gesellschaft bezüglich des „Frausein“ entwickelt hat. Das Buch gliedert sich in sieben verschiedene Kapitel, die essayistisch geschrieben und auch eigenständig zu lesen sind. Begonnen wird das Buch mit der Thematik der sexuellen Verfügbarkeit und den immer wieder auftretenden sexuellen Belästigungen. In einer männlich dominierten Gesellschaft hat sich sexuelle Belästigung im Alltag normalisiert und ist nun erst in den letzten Jahren vermehrt öffentlich angeprangert worden. Die Frage ist jedoch, wie schnell in diesem Bereich eine Besserung eintritt. Zumindest wird sexuelle Belästigung und Nötigung im beruflichen Umfeld stärker kontrolliert und auch sanktioniert. Trotzdem bleibt noch ein weiter Weg bei diesem Thema. Oftmals wird bei feministischen Diskussionen angemahnt, dass Frauen im öffentlichen Raum mit zu wenig Selbstvertrauen auftreten würden. Schutzbach zeigt im zweiten Kapitel, dass dies daraus folgt, dass Frauen stetig um ihre Subjektstellung kämpfen mussten. Dieser Kampf ermüdet, zehrt an Kräften und demotiviert. All dies drückt sich in den gesellschaftlichen Kämpfen aus, weshalb Schutzbach als Konsequenz feststellt, dass Frauen sich verbünden müssen und aus der Gemeinsamkeit heraus agieren sollten. Diese Bündnisse sollten sie auch dafür nutzen, dass man dem Thema Körperscham den Kampf ansagt. Damit hat Schutzbach viele Themen angesprochen, mit denen man sich feministisch schon lange auseinandersetzt. Für mich waren die Argumentationsstrukturen nicht gänzlich neu, wobei ich am Buch von Franziska Schutzbach schätze, dass sie vor allem die historischen Bezüge äußerst pointiert darstellt.

Care-Arbeit als Selbstverständlichkeit

Spannender sind an ihrem Buch die Kapitel fünf bis sieben. In ihnen geht es um die Familienrolle und die zu leistende Care-Arbeit. Letztere drückt sich auch in Berufen aus, in denen vornehmlich Frauen tätig sind, Beispiele sind Pflege und Kinderbetreuung. Dies sind Berufe, in denen es finanziell noch viel zu erkämpfen gibt und dies stützt den Aspekt, dass Care-Arbeit in unserer Gesellschaft einen niedrigen Stellenwert hat. Dabei ist es genau jene Arbeit, welche eminent wichtig für eine funktionierende Gesellschaft ist. Den Großteil der Care-Arbeit leisten die Frauen allerdings unbezahlt, da sie Pflege und Kinderbetreuung kostenfrei in der Familie leisten. Schutzbach betont, dass diese geleistete Arbeit unverständlicherweise nicht bei der Betrachtung des Bruttozialproduktes berücksichtigt wird.

Der durchgehende rote Faden des Buches ist die Thematik der Ausbeutung und die daraus resultierende Erschöpfung. Durch die Kapitelstruktur kann Schutzbach verschiedenste Diskriminierungen aufzeigen und zieht sofort eine Linie zu den daraus entstehenden emotionalen und körperlichen Folgen. Dies alles wird mit Theorien und Statistiken belegt, ohne dass dies zu Lasten der Lesbarkeit geht. Schutzbach schließt ihr Buch mit der Ergebnisbetrachtung, dass Frauen all dies erschöpfen lässt und erläutert hierfür den Begriff „Mental Load“. Erschöpfung muss dringend weg von der Betrachtung als individuelles Versagen von Frauen und daraufhin erweitert werden, dass es Ergebnis von Systemfehlern ist. Dieses abschließende Kapitel bündelt nochmals alle Themen und führt den roten Faden konsequent zu Ende. Es ist somit die Verantwortungslast, welche auf Frauen lastet. Der geringe entgegen gebrachte Respekt belastet Frauen psychologisch und führt zur emotionalen Erschöpfung.

Wie bewerte ich das Buch ?

Ich habe im vergangenen Jahr schon Bücher zur Diskriminierung von Frauen gelesen, sodass mir einige Themen schon aus anderen Ausarbeitungen bekannt waren. Es geht um die Ausbeutung von Frauen. Ausbeutung wird hier nicht nur finanziell definiert sondern gezielt auch auf die emotionale Ebene erweitert. Damit wird der psychologisch lastende Druck deutlich intensiver als Problem dargestellt und gibt den Blick frei auf die emotionale Erschöpfung. Genau darin besteht die tolle Leistung dieses Buches. Ebenfalls gelungen ist die Stilistik und das Aufzeigen der unterschiedlichen Bewertung von Situationen durch Männer und Frauen. Diese Vergleiche helfen dabei, dass man die eigene männliche Perspektive reflektiert und die aufgezeigten Unterschiede besser verstanden werden. Ebenso gibt Schutzbach erste Ansätze für Lösungen. Dies macht dieses Buch zu einer spannenden Sachbuchlektüre.

Infos zum Buch

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Franziska Schutzbach:

Die Erschöpfung der Frauen

ISBN: 978-3426278581

Preis: 18,00€

https://www.droemer-knaur.de/buch/franziska-schutzbach-die-erschoepfung-der-frauen-9783426278581

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