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Theaterkritik: „Für immer die Alpen“ Staatstheater Mainz – Koproduktion mit dem TAK Theater Liechtenstein

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Das Staatstheater in Mainz bringt in einer Koproduktion mit dem TAK Theater Liechtenstein, den Roman „Für immer die Alpen“ in einer Inszenierung von Friederike Heller, auf die Bühne. Nach der Lektüre des Romans stand nun noch ein Theaterbesuch in Mainz auf dem Programm. Der Roman konnte mich wirklich überzeugen und schaffte humorvolle Momente und Reflektionen über Steueroasen. Es ist kein dünner Roman, den man hier auf die Bühne bringt und so war ich vor allem gespannt, wie es gelingen würde die verschiedenen Schauplätze darzustellen. Dargestellt wird die Lebensgeschichte von Johann Kaiser, der zum Whistleblower einer Steuerbetrugsaffäre wird. Uns allen sind die realen Hintergründe um gekaufte Steuer-CD’s bekannt und genau damit spielen Roman und Aufführung für das Schaffen humorvoller Momente. Das Buch ist im Tagebuchstil geschrieben und zeigt uns eine Hauptfigur, die immer wieder andere Seiten zeigt. Friederike Heller setzt dies damit um, dass sie die Darsteller_Innen abwechselnd in die Rolle der Hauptfigur schlüpfen lässt. Für die Handlungsorte werden weiße Stellwände genutzt, die als Projektionsfläche für Bilder dienen. Rollkisten repräsentieren verschiedene Möbelstücke und am Bühnenrand steht ein Klavier, welches musikalische Begleitung ermöglicht.

Das Stück bleibt eng am Text, lässt uns das Aufwachsen von Johann Kaiser, mit Verlassen der Eltern, dem Aufenthalt im Kinderheim und seine Wandlung zum Blender, erleben. Carlotta Hein übernimmt zu Beginn die Rolle des Johann Kaiser und zeigt für mich an diesem Abend die stärkste schauspielerische Leistung. Sie zeigt sowohl die Naivität der Hauptfigur, lässt aber auch das Schelmenhafte in ihrem Spiel aufscheinen und versprüht damit eine wunderbare Spielfreude. Insgesamt erscheinen die Schauspieler_Innen an diesem Abend stärker in der Rolleninterpretation. Andrea Quirbach nutzt verschiedene Stimmlagen, um immer wieder die verschiedenen dargestellten Rollen zu verdeutlichen. Unterstützt wird dies von einer plakativen Kostümgestaltung, die nie störend wirkt. Julian von Hansemann wirkt an einigen Stellen in seinem Spiel etwas zu überdreht. Johann Kaiser wird jedoch gekonnt als eine Figur dargestellt, die sich unfehlbar in einer Welt fühlt, in der er für sich die Regeln bestimmt hat. Natürlich geschieht dies auch, da ihm keine Regeln gegeben wurden, die er in seine Identität einbinden konnte. Komplettiert wird das Ensemble von Thomas Beck, der die Ironie von Geschlechterrollen im zweiten Teil wunderbar darstellt. Eine starke Szene ist, wenn die vier Schauspieler_Innen im Wechsel das System der Liechtensteiner Banken darstellen.

Insgesamt ist es, trotz einer Stücklänge von etwas mehr als zwei Stunden, ein kurzweiliger Abend. Bühnen- und Kostümbild schaffen die Voraussetzungen, dass den vielen Figuren durch die Darsteller_Innen ein angemessenes Bild gegeben werden kann. Der Humor des Buches wird in die Aufführung transportiert. Die Entwicklung der Hauptfigur erhält an diesem Abend all die notwendigen Facetten und somit muss sich der Theaterabend nicht hinter dem Roman verstecken.

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Wertung: 🐧🐧🐧1/2🐧

Wer Lust auf das Stück hat, findet unter folgendem Link weitere Informationen: http://www.staatstheater-mainz.com/web/veranstaltungen/schauspiel-21-22/fuer-immer-die-alpen-ua

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